Suche
Terminkalender
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Kritikschnipsel
Aus den Kritiken der letzten 10 Jahre
[…] Enthusiastisch zeigt sich das gesamte Ensemble der Theatergruppe und ist bei mancher Darstellung der Akteure so überzeugend, dass gelegentlich das Lachen im Halse stecken zu bleiben droht.
(KN zur Premiere von Gretchen 89ff.)
[…] Die Kapitalismuskritik, die Autor Richard Dresser auch in sein Stück gelegt hat, wird nicht agitatorisch ausgeschlachtet, sondern scheint unaufdringlich durch ein Beziehungsspiel, das seine Wirkung nicht verfehlt. Kompliment an alle Beteiligten.
(KN zur Premiere von Unter der Gürtellinie)
[…] Das könnte ganz schön platt sein. Ist es aber nicht in der kurzweiligen Inszenierung von Esther Kaun, die mit den Emotionen der Zuschauer Achterbahn fährt.
(KN zur Premiere von Creeps)
[…] Die bitterböse Geschichte über gelangweilte Egozentriker in einer Pseudo-Märchenwelt setzte das Kieler Amateurtheater hEXagon auf der Bühne der Hansastraße 48 recht unterhaltsam in Szene.[…]
(KN zur Premiere von Prinzessin Nicoletta)
[…] im Quintett sind die Frauentypen unschlagbar komisch, perfekt im Timing und setzen die vielen überraschenden Regie-Einfälle mit sprudelnder Spielfreude um.
(KN zur Premiere von Babewatch)
[…] Das Licht beleuchtet eine Szenerie, die nach Erlösung dürstet. Aber sie kann, gewissermaßen impotent, »nicht kommen«. Darin kommt ein Theater zu sich, das man selten so unbedingt sieht.
(KN zur Premiere von Beyond Mozambique)
Voll von solchen Zitaten ist diese Inszenierung, die Spaß macht, weil sie den Ernst der Lage im Slapstick karikiert.
(KN zur Premiere von König Ubu)
Kieler Nachrichten 22.10.07
Absurder Albtraum Arbeitswelt
Gelungen: Theater hEXagon zeigt in der Hansa 48 Richard Dressers »Unter der Gürtellinie«
Kiel – Drei blauweiße Warnschilder prangen an der Bühnenwand der Hansa48 bei der Premiere des Stücks Unter der Gürtellinie durch das Kieler Theater hEXagon: Darauf drei schematisierte Köpfe, die bedeuten: Schutzbrille, Kopfhörer und Sicherheitshelm aufsetzen! Sie wirken wie die berühmten Affen, die nicht sehen, nicht hören und nicht sprechen können. Die idealen Angestellten?

Die moderne, globalisierte Arbeitswelt als absurden Albtraum beschreibt der amerikanische Dramatiker Richard Dresser in seiner bitter-komischen Satire Unter der Gürtellinie. In der Wüste eines fremden Landes leben drei Männer auf Gedeih und Verderb zusammengepfercht. Abteilungsleiter Merkin und die beiden Prüfer Hanrahan und Neuzugang Dobbitt werden seit Jahren auf Montageposten hin und her geschoben, austauschbares Menschenmaterial in einer endlosen Fertigungskette.
»Individuelle Persönlichkeiten, wie Sie zwei beide, haben hier nichts, aber auch gar nichts verloren«, gibt Merkin die Parole aus beim Rapport, zu dem er seine Angestellten mit schrillem Piepston wie aus der Hundepfeife herbeikommandiert. Dauerdruck, der individuelle Deformationen erzeugt. Zuallererst bei Merkin selbst. Ein Manipulator und Paranoiker höchster Produktivitätsstufe. Im Akkord spielt er seine beiden Untergebenen Hanrahan und Dobbitt gegeneinander aus. Stefan Schwarze spielt ihn so richtig schön fies als unbeholfen machtgeilen, unfreiwillig komischen Autoritätsmenschen.
Auch sein Angestellter Hanrahan scheint zunächst jedes Bedürfnis nach menschlichem Umgang zu unterminieren und mobbt alles weg, was sich bewegt. Carsten Fimm überzeugt in der Rolle mit präzisem, nuanciertem Spiel. Wie er den Wandel vollzieht vom daueraggressiven Quertreiber zu einem, der seine Sehnsucht nach einer ehrlichen Beziehung offensiv verteidigt, zieht in den Bann. Eine Beziehung, die er zeitweise ausgerechnet bei Dobbitt gefunden zu haben scheint, mit dem Hanrahan zunächst nur widerwillig Arbeit und Zimmer teilt. Dennis Hoppe gibt diesen Dobbit bis in die diensteifrig vorgebeugte Haltung als überangepassten Jasager, dessen ganzes Streben es ist, bloß keine Fehler zu machen – was ihn am Ende alles kosten wird.
Regisseur Jörg Lippmann lässt sein Personal in der unbehausten Atmosphäre eines vollgestellten Büros agieren, das sich mit wenigen Handgriffen in ein schmuddeliges Nachtlager verwandelt lässt. In Gesten und Mimik erzählen die Darsteller oft eine zweite Wahrheit neben den eigentlichen Dialogen, woraus absurder Witz erwächst. Etwa, wenn sie sich bei der missglückten Abteilungsparty mit lustigen Papphütchen über verbissenen Mienen mühen, sich »blendend« zu amüsieren. Oder wenn sie auf der Brücke über dem verseuchten Fluss in einer Art blutrünstigem Ballett Mücken im Takt auf der Haut zerklatschen, und jeder Schlag doch eher den lieben Kollegen zu gelten scheint. Die Kapitalismuskritik, die Autor Richard Dresser auch in sein Stück gelegt hat, wird nicht agitatorisch ausgeschlachtet, sondern scheint unaufdringlich durch ein Beziehungsspiel, das seine Wirkung nicht verfehlt. Kompliment an alle Beteiligten.
Weitere Aufführungen: 26. und 27. Oktober, Hansa48, 20 Uhr, Karten-Tel.: 0431/ 564657; Internet: www.hansastrasse48.de
Von Beate Jänicke
Vorbericht der Kieler Nachrichten 18.10.07
Ein Büro mutiert zum Haifischbecken
theater hEXagon zeigt in der Hansa48 das Stück »Unter der Gürtellinie«
Kiel – Der Albtraum jedes Neulings in einer Firma – egal, was man auch tut oder lässt, alles kriegen die lieben Kollegen sofort in den falschen Hals. Statt eines guten Eindrucks macht man sich nichts als Ärger. Unter der Gürtellinie heißt das Stück des Amerikaners Richard Dresser, das die freie Theatergruppe hEXagon aus Kiel jetzt in der Hansa48 zeigt.

Ein »absurdes Bürotheater« um »Macht und Unterdrückung, Kaffee und Krapfen« umschreibt die Truppe ihr aktuelles Projekt. »Ich hatte das Stück schon eine Weile auf der Rechnung«, so Regisseur Jörg Lippmann, »es ist witzig und satirisch, bietet gute Konstellationen und schöne Theaterszenen.« Die Handlung des 1995 in den USA im Rahmen des »Humana Festival of Louisville« uraufgeführten Drei-Personen-Stücks Below the Belt (so der Originaltitel), das in Deutschland unter anderem von Thomas Ostermeier an der Baracke am Deutschen Theater in Berlin realisiert wurde, klingt fast wie eine Versuchsanordnung zum Mitarbeiter-Mobbing: Irgendwo in einem fernen Land, in einer nicht näher bezeichneten Fabrik, leben und arbeiten drei Männer auf engsten Raum. Merkin, der Vorgesetzte, und sein Untergebener, der Prüfer Hanrahan, spielen ihre manipulativen Spielchen, bei denen immer einer vom anderen kalt gestellt wird, schon länger. Der Neuling Dobbitt, ebenfalls als Prüfer angeheuert, ist frisch angekommen und gerät sofort mitten hinein in den Nervenkrieg. Zumal bei dem Auslandseinsatz in einer unwirtlichen Gegend alle auf engstem Raum zusammenhocken, einzig die Briefe der Ehefrauen bilden eine Verbindung zur Außenwelt.
»Der Autor hat die üblichen Konfliktsituationen eingedampft auf die kleinste Einheit von drei Mitarbeitern, die sich in immer wechselnden Allianzen bekriegen«, erklärt Lippmann, »das ganze Leben dieser Leute konzentriert sich bloß noch auf den Job, auf Aufstieg oder Fallengelassenwerden.« Carsten Fimm, der den leicht cholerischen Hanrahan gibt, sieht in seiner Figur durchaus mehr als nur einen laut herumpolternden Intriganten: »Ich habe bei ihm das Gefühl, dass er nicht nur so eine Art Stromberg-Abklatsch sein kann, sondern man in der Rolle mehr Facetten zeigen muss.« Für seinen Bühnenkollegen Stefan Schwarze, der den Chef Merkin spielt, steht dagegen das Wortwitzige der Dialoge ganz im Vordergrund. Die britische Bürosatire The Office, Vorbild für die deutsche Comedy-Serie Stromberg, an die mancher sich thematisch vielleicht erinnert fühlen mag, obwohl The Office später herauskam als das Stück, planten Lippmann und seine Darsteller zunächst zur Vorbereitung anzusehen, ließen es dann aber doch sein. »Das war sicher auch besser so«, überlegt der Regisseur, »schließlich wollen wir keine Comedy zeigen. Außerdem ist die Situation sowieso eine, die jeder auf irgendeine Weise wieder erkennt.«
Premiere: 19. Oktober; nächste Aufführungen 20./26./27 Oktober sowie 16. November, jeweils 20 Uhr, Hansastraße 48
Von Beate Jänicke
