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Kritikschnipsel

Aus den Kritiken der letzten 10 Jahre

[…] Enthusiastisch zeigt sich das gesamte Ensemble der Theatergruppe und ist bei mancher Darstellung der Akteure so überzeugend, dass gelegentlich das Lachen im Halse stecken zu bleiben droht.

(KN zur Premiere von Gretchen 89ff.)

[…] Die Kapitalismuskritik, die Autor Richard Dresser auch in sein Stück gelegt hat, wird nicht agitatorisch ausgeschlachtet, sondern scheint unaufdringlich durch ein Beziehungsspiel, das seine Wirkung nicht verfehlt. Kompliment an alle Beteiligten.

(KN zur Premiere von Unter der Gürtellinie)

[…] Das könnte ganz schön platt sein. Ist es aber nicht in der kurzweiligen Inszenierung von Esther Kaun, die mit den Emotionen der Zuschauer Achterbahn fährt.

(KN zur Premiere von Creeps)

[…] Die bitterböse Geschichte über gelangweilte Egozentriker in einer Pseudo-Märchenwelt setzte das Kieler Amateurtheater hEXagon auf der Bühne der Hansastraße 48 recht unterhaltsam in Szene.[…]

(KN zur Premiere von Prinzessin Nicoletta)

[…] im Quintett sind die Frauentypen unschlagbar komisch, perfekt im Timing und setzen die vielen überraschenden Regie-Einfälle mit sprudelnder Spielfreude um.

(KN zur Premiere von Babewatch)

[…] Das Licht beleuchtet eine Szenerie, die nach Erlösung dürstet. Aber sie kann, gewissermaßen impotent, »nicht kommen«. Darin kommt ein Theater zu sich, das man selten so unbedingt sieht.

(KN zur Premiere von Beyond Mozambique)

Voll von solchen Zitaten ist diese Inszenierung, die Spaß macht, weil sie den Ernst der Lage im Slapstick karikiert.

(KN zur Premiere von König Ubu)

König Ubu

Ubu König Ubu
von Alfred Jarry

Ein mieses Stück über einen miesen Kerl, seine miese Frau und seine miesen Taten.

Ubu hat es im Gegensatz zu sämtlichen Archetypen aus Shakespeares Dramen geschafft, ein Adjektiv nach sich benannt zu bekommen. Die ubueske Hauptperson hat alle macbethschen, falstaffigen und hamletsamen Eigenschaften der Charaktere des Barden in sich vereint. Ubu flucht, schreit, köpft, bibbert, betet, stinkt, flieht und rafft.

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Alfred Jarry (1873–1907) hat seinen Ubu mit 15 Jahren in einem Puppentheaterstück geboren, als konsequente Weiterführung einer Schülerparodie, die zwei Mitschüler geschrieben hatten. Die Hauptperson dieser Posse war eine fäkale Verschmelzung von Macbeth und einem skurrilen Physiklehrer. Der junge Alfred war begeistert, möbelte das Stück auf und spann den Faden fort. Mit 23 schließlich fand Jarry in Paris einen Regisseur, der diesen Scherz 1896 groß aufführen wollte. Es kam, wie es kommen musste: Das Stück wurde zum Skandal. Solche Hauptpersonen hatte man noch nicht im Theater gesehen und wollte es auch nicht. Und das, obwohl schon vor der Zeit der Massenvernichtungswaffen diese Art Herrscher durchaus bekannt war.

Warum also der Ärger? Die Handlung wurde hemmungslos bei Shakespeare geklaut: Ubu wird von seiner Frau zu einer Verschwörung angestachelt, stürzt den König, bringt alle um, die ihm in die Quere kommen – bis er schließlich ebenfalls vom Thron gestoßen wird und flieht. Also im Prinzip nichts Neues. Aber Ubu war neu. Einerseits hemmunglos korrupt und grausam, andererseits ein wehleidiger Schisser. Vor allem aber vulgär, schmutzig und ungehobelt. Diese konsequente Zuspitzung macht das Stück zu einem Klassiker und Ubu zu einer zeitlosen parabelhaften Figur. Sie zeigt offen, was unter der glatten Oberfläche so manchen Machtmenschens gärt.

Unter bestimmten Umständen werden solche Leute Diktatoren, Führer oder Präsidenten, unter anderen vielleicht – Hausmeister.

»Schoiße!« – genau.

Darsteller: Carsten Fimm, Bine Schlüter, Colin Moore, Boy Kramer, Nils Aulike, Uta Bazak, Stefan Schwarze, Tim Dreessen
Fotos: Uli Kunz
Regie: Jörg Lippmann
Premiere: 18. Mai 2003

Ubu ist mittlerweile abgespielt, seine Hausmeisterwohnung verschenkt oder verschrottet. Die Premiere fand am 18. Mai 2003 in der Hansastraße 48 statt, weitere Aufführungen gab es im Mai und Juni ebenda. Am 8. Juni war Ubu auf dem Theaterfestival »f5 ohne Souffleuse« in der »Bühne« in Dresden zu Gast.

Presseecho