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Kritikschnipsel

Aus den Kritiken der letzten 10 Jahre

[…] Enthusiastisch zeigt sich das gesamte Ensemble der Theatergruppe und ist bei mancher Darstellung der Akteure so überzeugend, dass gelegentlich das Lachen im Halse stecken zu bleiben droht.

(KN zur Premiere von Gretchen 89ff.)

[…] Die Kapitalismuskritik, die Autor Richard Dresser auch in sein Stück gelegt hat, wird nicht agitatorisch ausgeschlachtet, sondern scheint unaufdringlich durch ein Beziehungsspiel, das seine Wirkung nicht verfehlt. Kompliment an alle Beteiligten.

(KN zur Premiere von Unter der Gürtellinie)

[…] Das könnte ganz schön platt sein. Ist es aber nicht in der kurzweiligen Inszenierung von Esther Kaun, die mit den Emotionen der Zuschauer Achterbahn fährt.

(KN zur Premiere von Creeps)

[…] Die bitterböse Geschichte über gelangweilte Egozentriker in einer Pseudo-Märchenwelt setzte das Kieler Amateurtheater hEXagon auf der Bühne der Hansastraße 48 recht unterhaltsam in Szene.[…]

(KN zur Premiere von Prinzessin Nicoletta)

[…] im Quintett sind die Frauentypen unschlagbar komisch, perfekt im Timing und setzen die vielen überraschenden Regie-Einfälle mit sprudelnder Spielfreude um.

(KN zur Premiere von Babewatch)

[…] Das Licht beleuchtet eine Szenerie, die nach Erlösung dürstet. Aber sie kann, gewissermaßen impotent, »nicht kommen«. Darin kommt ein Theater zu sich, das man selten so unbedingt sieht.

(KN zur Premiere von Beyond Mozambique)

Voll von solchen Zitaten ist diese Inszenierung, die Spaß macht, weil sie den Ernst der Lage im Slapstick karikiert.

(KN zur Premiere von König Ubu)

Die weißen Tauben sind Möwen - Presse

Kritik der Kieler Nachrichten zur Premiere, 03.10.10

theater hEXagon: Seekrank schwankende Seelchen

Kiel. Am Ende ist der zahnlose Haifisch tot, erlegt von der konvertierten Tierschützerin Inge von Denen (Pauline Trapp), und auch der Klabautermann hat seinen Schrecken verloren, seit Käpt’n James T. Last (Stefan Schwarze) das Ruder aus der Hand gegeben hat. Zwei von sechs Seelchen, die das theater hEXagon im Sechseckbau in Die weißen Tauben sind Möwen an Bord bringt, auf großer Fahrt durch eine maritime Revue, in der manches seekrank bleibt.

Die weißen Tauben sind Möwen
Foto Peter

Eigentlich eine gute Idee, drei Frauen und drei Männer auf einem Ozeandampfer in Klausur zu schicken und ihre Neurosen aneinander abarbeiten zu lassen. Doch wie die schon genannten Figuren bleiben auch die übrigen küstenneblig blass: die selbstverliebte Promi-Agentin Bettina de Coco (Mitschi Jacobi), die notgeil jedem knackigen Matrosenhintern nachstellt, die graumäusig sehnsüchtige Lebensberaterin Mathilda Sunrise (Candi Music), der vom Eheleben mit Frau de Coco desillusionierte Kaviar-Koster Harvey Wallbanger (Jason Kawena) und Tom C. Cruise (Colin Moore), dessen ständig betastetes „HaiPhone“ wie er selbst „kein Netz“ findet, mit dem sich eine Seejungfrau oder die Anerkennung des Käpt’ns fangen ließe. Die inneren Konflikte der Figuren, die zwar typenhaft, darin aber doch recht komplex angelegt sind, werden auf den schaukelnden Bühnenplanken allenfalls angerissen, eine wirkliche Handlung, in der sich die Charaktere entwickeln könnten, fehlt oder verheddert sich in der Takelage allzu vieler nur loser Leinen.

Das von hEXagon selbst als „Schwank“ bezeichnete Patchwork-Stück steuert unter der Regie von Dennis Hoppe aber vielleicht auch absichtlich gar keinen dramaturgischen Hafen an, sondern gibt sich lustvoll dem wogenden Schlingerkurs der Revue hin. Mit Bordpianist W. M. Thor Heyerdahl (Ralf Warschau) an den Klimpertasten werden näher oder ferner dem maritimen Kontext zugehörige Chansons und Pop-Shanties durch die Schiffsschrauben gedreht. Wenn dabei am Schluss Ingrid Cavens traurige Hymne an die toten Matrosen, Die großen weißen Vögel, im Möwen-Chor besungen werden, grenzt das aber an ein Sakrileg – oder zeigt, dass die gute Absicht oft nicht genügt.

Letztere ist trotz solcher Seekrankheiten des Stücks erkennbar, denn das „Mari Team“ legt in manche Szene einigen komödiantischen Witz und auch manche darstellerische Gewitztheit. Wenn etwa Käpt’n Last im Techtelmechtel mit Madame de Coco schwelgerisch durch die Sternbilder am siebten Himmel navigiert, bringen die Mitspieler in einer zauberhaften Pantomime mit den Klappstühlen des Sonnendecks die Schmonzette auf den Punkt. Ein hübscher Regieeinfall. Davon mehr und ein paar weniger Klabautermännchen machende Kalauer, ein bisschen mehr intonatorisches Öl im Gesangsgetriebe, nicht bloß mit dem Stechzirkel abgesteckte Seelenseekarten, und der „Schwank und Meer“ liefe ganz ohne Seekränkeleien und allgegenwärtige Kotztüten in einen sicheren Theaterhafen ein.

Von Jörg Meyer

Vorbericht der Kieler Nachrichten 01.10.10

Gefühle, die Wellen schlagen

Theater hEXagon feiert im Sechseckbau Premiere mit „Die weißen Tauben sind Möwen“

Kiel. Das rauschende Fest zum zehnjährigen Jubiläum noch im Hinterkopf, startet das Theater hEXagon quasi mit einem Kopfsprung in die neue Spielzeit.

Die weißen Tauben sind Möwen heißt ihr maritim durchdrungenes Stück frei nach Mike Krüger, der mit dieser Zeile einst einen Song von Hans Harz verballhornte. Das Krüger-Zitat beschränkt sich auf den Titel, im Handlungsverlauf taucht weder das Liedchen des Blödelbarden noch das des Sängers mit der Reibeisenstimme auf. Dafür werden jede Menge anderer Songs nachgesungen: von Blues Brothers über France Gall bis hin zu Funny van Dannen.

Die weißen Tauben sind Möwen
Spielen schillernde Gestalten: (von links) Stefan Schwarze, Candi Music, Ralf Warschau (am Piano), Mitschi Jacobi, Colin Moore und Pauline Trapp. Foto Schaller

Das in so langwieriger wie kurzweiliger Ensemblearbeit ausgedachte Stück greift auf das Konzept zweier ähnlich entstandener Produktionen zurück, mit denen das Theater hEXagon Publikumserfolge feierte. In Freischwimmer (2003) standen fünf singende Männer nebst Umkleidespinden auf der Bühne, in Babewatch (2005) wurden die Spinde gegen Umkleidekabinen ausgetauscht, die Männer durch fünf singende Frauen ersetzt. In der aktuellen Produktion wurde beides zusammengeführt. Das Personal ist auf drei Männer und drei Frauen reduziert, ein Pianist ist zur musikalischen Unterstützung dabei.

Natürlich gibt es auch eine Geschichte, und die ist reichlich schräg: An Bord eines Schiffes irgendwo auf dem wilden Ozean treffen schillernde Gestalten aufeinander. Sie heißen Mathilda Sunreise, W.M Thor Heyerdahl oder Tom C. Cruise. Der eine kann nicht ohne sein „Haiphone“, andere schleppen fette Neurosen mit sich herum. Da ist die militante Vegetarierin, die sich daran macht, einen verfressenen Gourmet zu missionieren, dessen Ehe mit einer egomanen Künstleragentin auf wackligen Beinen steht. Dann gibt es noch einen technikverrückten Lebemann, eine Lebensberaterin und einen halbverrückten Kapitän, der in jeder Ecke seines Schiffes den Klabautermann zu sehen glaubt.

„Es ist eine absolut bunte Truppe. Jeder hat ein Grund- problem und trägt eine große Sehnsucht in sich“, erzählt Dennis Hoppe, der erstmals die Seiten vom Schauspieler zum Regisseur gewechselt hat. Mit Hingabe habe das Team an den reichlich extremen Charakteren gefeilt, „denn die schönsten Szenen ergeben sich, wenn die Extreme aufeinanderprallen“. Beträchtlicher Seegang sorgt für zusätzliche Bewegung auf der Bühne, auf der neben ein paar Spinden und Stühlen ein Haifisch eine wichtige Rolle spielen wird.

Zwölf Aufführungstermine an fünf Spielorten stehen für Die weißen Tauben sind Möwen fest – darunter neben Hansa48, Sechseckbau und dem Bürgerhaus Kronshagen erstmals die Niederdeutsche Bühne. „Wir hoffen, dass unser Stammpublikum sich mit dem der anderen Spielorte durchmischt“, so Hoppe. „Obwohl wir hochdeutsch spielen, haben wir im Theater am Wilhelmplatz mit der maritimen Thematik vielleicht gute Karten.“

Von Sabine Tholund