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Kritikschnipsel
Aus den Kritiken der letzten 10 Jahre
[…] Enthusiastisch zeigt sich das gesamte Ensemble der Theatergruppe und ist bei mancher Darstellung der Akteure so überzeugend, dass gelegentlich das Lachen im Halse stecken zu bleiben droht.
(KN zur Premiere von Gretchen 89ff.)
[…] Die Kapitalismuskritik, die Autor Richard Dresser auch in sein Stück gelegt hat, wird nicht agitatorisch ausgeschlachtet, sondern scheint unaufdringlich durch ein Beziehungsspiel, das seine Wirkung nicht verfehlt. Kompliment an alle Beteiligten.
(KN zur Premiere von Unter der Gürtellinie)
[…] Das könnte ganz schön platt sein. Ist es aber nicht in der kurzweiligen Inszenierung von Esther Kaun, die mit den Emotionen der Zuschauer Achterbahn fährt.
(KN zur Premiere von Creeps)
[…] Die bitterböse Geschichte über gelangweilte Egozentriker in einer Pseudo-Märchenwelt setzte das Kieler Amateurtheater hEXagon auf der Bühne der Hansastraße 48 recht unterhaltsam in Szene.[…]
(KN zur Premiere von Prinzessin Nicoletta)
[…] im Quintett sind die Frauentypen unschlagbar komisch, perfekt im Timing und setzen die vielen überraschenden Regie-Einfälle mit sprudelnder Spielfreude um.
(KN zur Premiere von Babewatch)
[…] Das Licht beleuchtet eine Szenerie, die nach Erlösung dürstet. Aber sie kann, gewissermaßen impotent, »nicht kommen«. Darin kommt ein Theater zu sich, das man selten so unbedingt sieht.
(KN zur Premiere von Beyond Mozambique)
Voll von solchen Zitaten ist diese Inszenierung, die Spaß macht, weil sie den Ernst der Lage im Slapstick karikiert.
(KN zur Premiere von König Ubu)
Premierenbesprechung der Kieler Nachrichten 13.03.06
Ränkespiel aus Überdruss
Kiel – Sex, Lügen und Gewalt. Der Stoff, aus dem das Theaterstück Prinzessin Nicoletta der jungen Dramatikerin Rebekka Kricheldorf gestrickt ist, changiert in blutroten und rabenschwarzen Farben. Die bitterböse Geschichte über gelangweilte Egozentriker in einer Pseudo-Märchenwelt setzte das Kieler Amateurtheater hEXagon auf der Bühne der Hansastraße 48 recht unterhaltsam in Szene.
Zumal der mit Zitaten aus berühmten Dramen wie Leonce und Lena oder König Ubu und klassischen Märchenmotiven spielende Text nur schwer einzuordnen ist. Mal gibt er sich satirisch überspitzt, dann wieder achselzuckend gleichgültig angesichts seines intriganten Figuren-Personals. An einem heruntergekommenen Königshof – in der Inszenierung nur angedeutet durch einen alten Holztisch, der als Festtafel ebenso dient wie als Totenbett – nimmt das Drama seinen Lauf. König Philipp, schwächlicher Herrscher eines maroden Reichs, will seine zickige Tochter Nicoletta mit dem dümmlichen Prinzen Omo verheiraten, um sich vor dem Ruin zu retten. Doch das »reizende« Töchterlein hat eigene Pläne. Aus purer Lust am Widerstand wählt sie den Koch zum Mann aus – seine Bratäpfel munden ihr so gut. Die Verweigerung löst eine Betrugsserie aus: Dem Prinzen und seinem machthungrigen Großwesir wird eine tödliche Krankheit der Prinzessin vorgegaukelt; statt mit dem Königskind soll Omo mit der abgehalfterten, mannstollen Tante Leonor verkuppelt werden. Währenddessen versucht Änne, die verbitterte Gouvernante Nicolettas, heimlich eine Revolution anzuzetteln. Nur der Koch ist an nichts anderem interessiert als an drallen Bauernmädchen – ein perfekter Sündenbock, als die üblen Machenschaften der anderen auffliegen.
Für die immer wüster ausufernde Geschichte hat Regisseur Jörg Lippmann einige bühnenwirksame Bilder gefunden. Da wird sich wild röchelnd auf dem Totenbett gewunden, werden Leichen im Keller ausgebuddelt und Jungfernhäute mit Wachs repariert. Doch die Inszenierung hat auch Längen: Immer dann nämlich, wenn sich der demonstrative Überdruss der Figuren auf die Geschichte überträgt, statt sie grotesk auf die Spitze zu treiben. Dennoch zeigt das Amateur-Ensemble eine recht ansehnliche Leistung: Mitschi Jacobi quietscht und schrillt als enervierende Göre Nicoletta; Stefan Schwarze gibt einen rückratlosen Operettenkönig Philipp; Esther Kaun lässt als Gouvernante Änne lange unterdrückte Rachgefühle aufscheinen. Kate Simmons zeigt die Leonor gebührend aufgetakelt, aber etwas steif, während Colin Moore den Koch zwar lässig, aber zu farblos auftreten lässt. Nils Aulikes Großwesir verbirgt hinter strenger Fassade finstere Gewaltfantasien, Ingo Thomsen sorgt als geckenhafter Prinz für Lacher. Am Ende schließt sich der Kreis des märchenhaften Intrigantenstadls mit einem Zitat aus Leonce und Lena: »Was die Leute alles so aus Langeweile treiben!« Ob es nur die Langeweile war, bleibt dahin gestellt. Beate Jänicke
Vorbericht der Kieler Nachrichten 08.03.06
Theater hEXagon zeigt »Prinzessin Nicoletta« in der Hansastraße 48
Kiel – Was für eine Zicke! Vom harmlos niedlichen Geschöpf á la Grimms oder sonstiger Märchen ist diese Prinzessin meilenweit entfernt. Wenn nicht augenblicklich passiert, was Nicoletta (Mitschi Jacobi) will, keift sie, dass die Wände wackeln. Jetzt will sie nur eins: den schmuddeligen Gesindekoch (Colin Moore). Weil der so leckere Bratäpfel zaubert. Dass ihr Vater, König Phillip (Stefan Schwarze), eigentlich den reichen Prinzen Omo (Ingo Thomsen) als Schwiegersohn ausgeguckt hat, um sein marodes Reich zu sanieren, interessiert das Rotzbalg wenig.
»König und Prinzessin, das klingt erst einmal harmlos nach Kindertheater, aber in diese Märchenstunde geht man nur als Erwachsener rein«, sagt Jörg Lippmann. Der Regisseur des Kieler Amateurtheaters hEXagon setzt das Stück Prinzessin Nicoletta der jungen Dramatikerin Rebecca Kricheldorf mit seiner Truppe im Kulturzentrum Hansastraße 48 in Szene. Die märchenhafte Rahmenhandlung, mit Kostümen aus dem Fundus des Kieler Schauspielhauses passend ausgestattet, diene aber nur als Gerüst für ein groteskes Intrigenspiel um »Sex, Macht und Gewalt«, findet Kate Simmons, die die Leonor gibt, die altjüngferliche, keinem schmutzigen Abenteuer abgeneigte Tante Nicolettas. »Die ganze Bösartigkeit alter Märchen steckt in diesem Text drin und wird noch auf die Spitze getrieben«, so Lippmann. »Das rein Gute oder Böse wie im richtigen Märchen gibt es hier nicht", ergänzt Mitschi Jacobi.
Der Tipp, das 2002 mit dem Verlegerpreis und dem Publikumspreis des Heidelberger Stückemarkts ausgezeichnete Drama auf die Bühne zu bringen, kam von Jens Raschke, der als Dramaturg an der Schweizer Erstaufführung von Prinzessin Nicoletta am Züricher Theater am Neumarkt mitwirkte. »Schon die erste Leseprobe war fantastisch, da kommt immer der richtige Satz, die richtige böse Bemerkung zur rechten Zeit«, schwärmt Lippmann. »So viele lakonische, coole Sprüche findet man selten«, meint Nils Aulike, der den »Wesir«, den Erzieher des Prinzen Omo, gibt.
Viele Querverweise hat die Autorin in ihrem Text untergebracht. Anspielungen auf berühmte Theaterstücke wie Leonce und Lena oder König Ubu, aber auch auf Songs der Band Nirvana. Besonders überzeugt hat die Truppe am Ende aber, dass es so viele »schöne« Rollen in dem Stück zu besetzen gab: »Die sind einfach fies, fieser, am fiesesten«, freut sich nicht nur Kate Simmons.
Beate Jänicke
