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Kritikschnipsel
Aus den Kritiken der letzten 10 Jahre
[…] Enthusiastisch zeigt sich das gesamte Ensemble der Theatergruppe und ist bei mancher Darstellung der Akteure so überzeugend, dass gelegentlich das Lachen im Halse stecken zu bleiben droht.
(KN zur Premiere von Gretchen 89ff.)
[…] Die Kapitalismuskritik, die Autor Richard Dresser auch in sein Stück gelegt hat, wird nicht agitatorisch ausgeschlachtet, sondern scheint unaufdringlich durch ein Beziehungsspiel, das seine Wirkung nicht verfehlt. Kompliment an alle Beteiligten.
(KN zur Premiere von Unter der Gürtellinie)
[…] Das könnte ganz schön platt sein. Ist es aber nicht in der kurzweiligen Inszenierung von Esther Kaun, die mit den Emotionen der Zuschauer Achterbahn fährt.
(KN zur Premiere von Creeps)
[…] Die bitterböse Geschichte über gelangweilte Egozentriker in einer Pseudo-Märchenwelt setzte das Kieler Amateurtheater hEXagon auf der Bühne der Hansastraße 48 recht unterhaltsam in Szene.[…]
(KN zur Premiere von Prinzessin Nicoletta)
[…] im Quintett sind die Frauentypen unschlagbar komisch, perfekt im Timing und setzen die vielen überraschenden Regie-Einfälle mit sprudelnder Spielfreude um.
(KN zur Premiere von Babewatch)
[…] Das Licht beleuchtet eine Szenerie, die nach Erlösung dürstet. Aber sie kann, gewissermaßen impotent, »nicht kommen«. Darin kommt ein Theater zu sich, das man selten so unbedingt sieht.
(KN zur Premiere von Beyond Mozambique)
Voll von solchen Zitaten ist diese Inszenierung, die Spaß macht, weil sie den Ernst der Lage im Slapstick karikiert.
(KN zur Premiere von König Ubu)
Kritik zur Premiere (KN 21.10.2002)
Das Drama des Daseins
Theater hEXagon feierte Premiere mit Tschechows Die Möwe

Wenn das Theater das Leben spiegeln soll, geht's im Foyer manchmal aufschlussreicher zu als auf der Bühne. Nicht in den großen Gesten, sondern im Vorübergehen passieren die interessantesten Geschichten. Als Wartesaal zum großen Drama hat das Theater hEXagon den Veranstaltungsraum der Hansastraße 48 zur Premiere von Anton Tschechows Die Möwe hergerichtet komplett mit Garderobe, Stehtischchen und Geplauder über das Wetter. Ein vieldeutiges Spiel im Spiel (Regie: Stefan Schwarze und Mitschi Jacobi), bei dem der Abstandvon Darstellern und Publikum aufgehoben wird.
Mitten zwischen den Theatergängern spielt das Geschehen um den idealistischen Jung-Dramatiker Kostja (Nils Aulike) und seine Angebetete Nina (Merle Vester). Ein Bühnenstück hat er ihr auf den Leib geschrieben. Mit "neuen Formen" will er das Theater revolutionieren und obendrein das Mädchen gewinnen. Doch die Clique um seine Tante, die selbstgefällige Starschauspielerin Irina (Sabine Schlüter), und ihren ständigen Begleiter, den erfolgreichen Schriftsteller Trigorin (Colin Moore), macht sich nur lustig über Kostjas brennenden Eifer. Das Werk fällt durch. Dabei sind die Spötter selbst lächerlich Getriebene. Jeder wünscht sich in dieser grotesken Gesellschaft, was er nicht hat. Einen anderen Liebespartner oder gleich ein ganz anderes Leben.
Auf Armeslänge entfernt erlebt das amüsierte Publikum die kleinen Scharmützel zwischen den Paaren oder das hohle Geplapper der guten Bekannten. Besonders Marta Pawlik-John als schmachtende, Pillen schluckende Mascha und Carsten Fimm als Lackaffe Schamrajew setzen komödiantische Farbtupfer. Wie im echten Leben, wenn man die Dramen seiner Mitmenschen mehr oder weniger freiwillig verfolgt, wird es mal komisch, mal langatmig, mal wirkt alles unangenehm bekannt.
Den gelungenen Kontrapunkt zur ganzen egozentrischen Bagage setzen Nils Aulike als schwärmerischer Dichter Kostja und Merle Vester als naives Landei Nina. Er zerbricht am Leben, sie findet sich mit den Unzulänglichkeiten des Daseins ab. Die lärmende Freundesclique wird sich damit nicht lange aufhalten. Nicht nur im Theater hat jeder schließlich sein eigenes kleines Drama im Kopf.
Beate Jänicke
Nächste Vorstellungen: 6., 7., 8. Dezember, Uni-Sechseckbau
