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Kritikschnipsel

Aus den Kritiken der letzten 10 Jahre

[…] Enthusiastisch zeigt sich das gesamte Ensemble der Theatergruppe und ist bei mancher Darstellung der Akteure so überzeugend, dass gelegentlich das Lachen im Halse stecken zu bleiben droht.

(KN zur Premiere von Gretchen 89ff.)

[…] Die Kapitalismuskritik, die Autor Richard Dresser auch in sein Stück gelegt hat, wird nicht agitatorisch ausgeschlachtet, sondern scheint unaufdringlich durch ein Beziehungsspiel, das seine Wirkung nicht verfehlt. Kompliment an alle Beteiligten.

(KN zur Premiere von Unter der Gürtellinie)

[…] Das könnte ganz schön platt sein. Ist es aber nicht in der kurzweiligen Inszenierung von Esther Kaun, die mit den Emotionen der Zuschauer Achterbahn fährt.

(KN zur Premiere von Creeps)

[…] Die bitterböse Geschichte über gelangweilte Egozentriker in einer Pseudo-Märchenwelt setzte das Kieler Amateurtheater hEXagon auf der Bühne der Hansastraße 48 recht unterhaltsam in Szene.[…]

(KN zur Premiere von Prinzessin Nicoletta)

[…] im Quintett sind die Frauentypen unschlagbar komisch, perfekt im Timing und setzen die vielen überraschenden Regie-Einfälle mit sprudelnder Spielfreude um.

(KN zur Premiere von Babewatch)

[…] Das Licht beleuchtet eine Szenerie, die nach Erlösung dürstet. Aber sie kann, gewissermaßen impotent, »nicht kommen«. Darin kommt ein Theater zu sich, das man selten so unbedingt sieht.

(KN zur Premiere von Beyond Mozambique)

Voll von solchen Zitaten ist diese Inszenierung, die Spaß macht, weil sie den Ernst der Lage im Slapstick karikiert.

(KN zur Premiere von König Ubu)

GirlsCampTroia - Presse

Kieler Nachrichten 17.05.2001

Tragik, Trash und Triviales

Theater hEXagon stellt sich mit "GirlsCampTroia" vor

Bild
Zwischen Antike und TV agieren Gabi Godenir, Kate Simmons, Mitschi Jacobi und Merle Vester.

Frauen sind blöd. Lassen sich widerstandslos ihre Kinder wegnehmen, faseln Weissagungen, die keiner glaubt, gerieren sich als Opfer ihrer Schönheit und zicken untereinander rum. Besonders wenn es um den "Boy der Woche" geht. Dann verwandeln sich die antiken Heldinnen Andromache, Kassandra, Hekabe und Helena auf dem Müllhaufen Trojas in die Göttinnen Hera, Eris, Athene und Aphrodite, und sinken auf das Niveau eitler Trivialtussis herab.

Esther Kaun spannt mit ihrer Inszenierung GirlsCampTroia, die morgen im Sechseckbau Premiere hat, einen beziehungsreichen Bogen von der antiken Tragödie zum Trash der TV-Götter von heute. 415 v. Chr. hat Euripides mit seinem Drama Die Troerinnen das Leid der Frauen in den Mittelpunkt gestellt, die nach dem Trojanischen Krieg den Griechen in die Hände fallen. "Jede Frau hat sympathische und unsympathische Momente", sagt Diplompädagogin Esther Kaun über ihre "Heldinnen". Tragisch sei, dass sich offenbar nichts geändert habe an der weiblichen Selbstbestimmung.

In straffen 70 Minuten wird gezeigt, wie das Aufeinanderprallen von Konfliktparteien im Showbiz aussieht und wie das männliche Prinzip von Talthybios, Menelaos, Zeus und Poseidon sich heute darstellt. "Heute werden die Kampfplätze in die Öffentlichkeit gezogen, die Protagonisten wollen Absolution durchs Publikum", sagt die angehende Theaterpädagogin Kaun. Mit GirlscampTroia stellt sie ihre erste Regiearbeit vor. Zugleich ein Auftakt für die neu gegründete Theatergruppe "hEXagon", die als alte Hasen des Theaters im Sechseckbau den studentischen Rahmen verlassen und künftigals freie Gruppe mit parallelen Produktionen auf unterschiedlichen Bühnen in Kiel wirken will. Der Herausforderung des antiken Stoffes hat sich das Ensemble (darunter EX-Mitglieder der Gruppen Arabesque, Vivisection und Bad News) mit Improvisationen genähert, parallel dazu hat die Regisseurin die Dramaturgie erarbeitet. Das Theater hEXagon besteht derzeit aus 22 Mitgliedern um die 30 Jahre, neue Mitmacher aller Altersklassen sind willkommen. Von Almut Behl.

Premiere morgen, 20 Uhr, Sechseckbau. Weitere Aufführungen 19.und 20. Mai. Karten unter 0431/3003181 oder karten@theater-hexagon.de

[Anmerkung von hEXagon: Das Foto wurde übrigens von Dietmar Fiedler gemacht.]

Kieler Nachrichten 17.05.2001

Das ganze Leben ist ein Quiz

theater hEXagon: Einstand mit "Girlscamp Troia"

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GirlsCampTroia

Nein, die Damen der feinen trojanischen Gesellschaft sind "not amused" über das eitle Miststück Helena, das ihnen der verliebte Trottel Paris da ins Haus geschleppt hat: "Wirft sich einfach einem reichen, gut aussehenden Prinzen an den Hals, und hoppla, leider wird eine ganze Stadt ausgelöscht!" Zehn Jahre haben die Griechen die Mauern Trojas wegen der abgängigen Schönen belagert. Jetzt ist die Stadt gefallen, ihre Helden sind ermordet, und den Frauen droht die Sklaverei.

Einen ironisch bunten Bilderbogen, frei nach den Troerinnen des Euripides, spannt das neu gegründete theater hEXagon mit seiner ersten Produktion GirlsCampTroia. Er reicht von den zynisch um das Schicksal der Menschen würfelnden Göttern des Olymp bis zu den dümmlichen Kuppel- und Container-Shows unserer Tage. Das ganze Leben ist ein Quiz, wenn die Troerinnen Hekabe, Kassandra, Andromachae und Helena, aus dem Hut des griechischen Boten ihr Sklaven-Los ziehen. Oder wenn die zickigen Göttinnen, eingepeitscht vom schmierigen Moderator (bringt alle Männerrollen auf den Punkt: Stefan Schwarze), um den Paris-Apfel in der Show Die Schönste bleibt buhlen.

Ein Feuerwerk schriller Ideen, das Regisseurin Esther Kaun abfackeln lässt, auf der mit leeren Pizzaschachteln und umgestürzten Fake-Marmorsäulen trashig dekorierten Bühne im Sechseckbau (Ausstattung: Ulrike Kubetzki, Christoph Ketzenberg). Aber auch nachdenklichere Töne klingen an. Auf dem schmalen Grat zwischen Komik und Verzweiflung changieren die Darstellerinnen, wenn sie in der Fan-Kurve, anfänglich noch begeistert, den (imaginären) Zweikampf zwischen Hektor und Achill verfolgen. Beeindruckend wie ihnen die Gesichtszüge entgleisen, als ihr Kriegsheld Hektor wider Erwarten verliert und brutal getötet wird, während im Hintergrund der Reporter munter weiter schwadroniert. Besonders Mitschi Jacobi als gebrochene Witwe Andromachae und Kate Simmons als leicht hysterische Kassandra überzeugen. Merle Vester stattet Helena mit laszivem Weibchen-Charme aus. Nur Gabi Godenir bleibt als Hekabe etwas blass.

Am Ende verzettelt sich Regisseurin Kaun allerdings, als auch noch die olle Rocky-Horror-Picture-Show als Inspirationsquelle herhalten muss. Und auch der unvermittelte Schluss wirkt dünn. Das Premierenpublikum ließ sich von den kleinen Schwächen aber nicht stören und amüsierte sich prächtig.

Beate Jänicke

Kieler Nachrichten vom 21.05.2001

Wedeler Theatertage

Pinneberger Zeitung 3.9.2001 (Auszug), zum Auftritt bei den Wedeler Theatertagen.

Über die Scotland Road bis nach Sibirien

[…][Verbandspräsident Jaeschke:] »Wir freuen uns auch, wenn junge Bühnen kommen, um sich darzustellen.«

Zu diesen gehört das 1999 gegründete Theater »hEXagon« aus Kiel. Es präsentierte mit »GirlsCampTroia« eine frische Inszenierung. Ausgangspunkt ist Euripides' Drama »Die Troerinnen«. Das Schicksal der Trojanerinnen nach dem Fall ihrer Stadt schilderten die Mimen mit klassischen Passagen und Elementen der modernen Fernsehunterhaltung. Die Sendung »Herzblatt« wurde ebenso eingearbeitet wie Sportreportagen. Dabei ging bei allem Spaß der ernste Hintergrund nicht verloren. Originell war auch das Bühnenbild. Eine pfiffige und unterhaltsame Umsetzung eines klassischen Themas. […]

Kuno Klein

Weitere Kritiken

Bericht in der Online-Version von Viva24 6.11.2001,
zur Aufführung in der Hansastrasse 48 am 4.11.2001.

Dass der Trojanische Krieg seinen eigentlichen Anfang in der Sendung »Herzblatt« nahm, führte die Kieler Gruppe »theater hEXagon« in ihrer ersten und durchaus hoffnungsvollen Produktion »GirlsCampTroia« am 04.11.01 in der Hansastraße 48 vor. In einer himmlischen Variante der hier von Stefan Schwarze moderierten TV-Flirt-Show kämpfen in dem Stück nämlich die drei Kandidatinnen Hera (Gabi Godenir), Athene (Mitschi Jacobi) und Aphrodite (Ines von Jagemann) um »Boy der Woche« Paris sowie goldenen Apfel. Aphrodite siegt und bekommt den Apfel, Paris erlangt durch die Gunst der göttlichen Siegerin die Liebe der schönen Helena, und schon beginnen Romantiktrip in der Herzblattgaleere sowie zehn Jahre trojanischer Krieg.

Originell trotz »antiker« Technik

»GirlsCampTroia« ist der ideenreiche Versuch, den Stoff von Euripides' »Troerinnen«, das Schicksal der zu Kriegswitwen und Sklavinnen der Athener geschlagenen Frauen Trojas, in unser schönes neues Zeitalter der Talkshows, Reality-Soaps und des grenzenlosen Fernseh-Voyeurismus' zu übertragen. Verquirlt mit Anregungen aus Jean-Paul Sartres Textbearbeitung aus dem Jahr 1965 sowie einer guten Portion Eigenimprovisation bringt Esther Kaun (die zudem als Kassandra und Eris ihr schauspielerisches Können beweist) eine originelle und engagierte Inszenierung auf die Bühne, die allerdings ab und an den von Theaterzuschauern wohl auch heutzutage noch heißgeliebten roten Faden vermissen lässt. Sicherlich sind hierbei die begrenzten technischen Bühnenvoraussetzungen in der Hansastraße zu bedenken: Mit einer besseren Lichtanlage, so erklärte ein »hEXagon«-Mitarbeiter, hätte etwa der Wechsel der Handlungsebene zwischen Götter- und Menschenwelt noch viel deutlicher gemacht werden können.

Neue, erfahrene Truppe

Den Namen »theater hEXagon« sollte man sich aber in jedem Falle merken! Die 1999 aus dem Kieler Studententheater im Sechseckbau hervorgegangene freie Theatergruppe zählt derzeit 22 Mitglieder mit durchweg fünf- bis zehnjähriger Bühnenerfahrung und hat sich vorgenommen, das Kieler Kulturleben ab sofort mit frischen Inszenierungsideen und gekonntem Amateurtheater zu bereichern. Wir sind gespannt!

(Katrin Schultze)