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Kritikschnipsel
Aus den Kritiken der letzten 10 Jahre
[…] Enthusiastisch zeigt sich das gesamte Ensemble der Theatergruppe und ist bei mancher Darstellung der Akteure so überzeugend, dass gelegentlich das Lachen im Halse stecken zu bleiben droht.
(KN zur Premiere von Gretchen 89ff.)
[…] Die Kapitalismuskritik, die Autor Richard Dresser auch in sein Stück gelegt hat, wird nicht agitatorisch ausgeschlachtet, sondern scheint unaufdringlich durch ein Beziehungsspiel, das seine Wirkung nicht verfehlt. Kompliment an alle Beteiligten.
(KN zur Premiere von Unter der Gürtellinie)
[…] Das könnte ganz schön platt sein. Ist es aber nicht in der kurzweiligen Inszenierung von Esther Kaun, die mit den Emotionen der Zuschauer Achterbahn fährt.
(KN zur Premiere von Creeps)
[…] Die bitterböse Geschichte über gelangweilte Egozentriker in einer Pseudo-Märchenwelt setzte das Kieler Amateurtheater hEXagon auf der Bühne der Hansastraße 48 recht unterhaltsam in Szene.[…]
(KN zur Premiere von Prinzessin Nicoletta)
[…] im Quintett sind die Frauentypen unschlagbar komisch, perfekt im Timing und setzen die vielen überraschenden Regie-Einfälle mit sprudelnder Spielfreude um.
(KN zur Premiere von Babewatch)
[…] Das Licht beleuchtet eine Szenerie, die nach Erlösung dürstet. Aber sie kann, gewissermaßen impotent, »nicht kommen«. Darin kommt ein Theater zu sich, das man selten so unbedingt sieht.
(KN zur Premiere von Beyond Mozambique)
Voll von solchen Zitaten ist diese Inszenierung, die Spaß macht, weil sie den Ernst der Lage im Slapstick karikiert.
(KN zur Premiere von König Ubu)
Premierenbesprechung der Kieler Nachrichten 19.03.07
Der Traum in der Warteschleife
Theater hEXagon feiert Premiere mit Lutz Hübners Theaterstück »Creeps«
Von Sabine Tholund
Kiel – Sie könnten unterschiedlicher nicht sein und wollen das Eine: den Job als Moderatorin in der neuen TV-Musik-Show. Alle haben dasselbe Schreiben bekommen, demzufolge ihr Traum in Erfüllung gegangen ist. Drei Mädels in der Warteschleife führt Lutz Hübner vor in seinem Theaterstück Creeps, das Esther Kaun für das Theater hEXagon inszeniert hat.

Nacheinander trudeln sie ein im Vorraum zur vermeintlichen Glückseligkeit, den Suzan Sabzeghabai auf der Bühne der Hansastraße 48 mit giftgrün bezogenen Puschelsofas und orangefarbenen Ikeahölzern schön scheußlich möbliert hat. »Hallo, ich bin jetzt da«, ruft Petra aus Chemnitz mit unsicher wackelndem Stimmchen und schickt einen fragenden Blick ins Leere. Als nächste kommt Maren durch die Tür geschlurft. Beide tauschen schüchtern Freundlichkeiten aus, bis klar wird, dass man sie für denselben Job gebucht hat. Lilly, der Dritten im Bunde, genügt ein abschätziger Blick auf die beiden Wartenden, um zu erkennen, dass es sich hier um ein Casting handelt.
So holzschnittartig Hübner die drei Charaktere voneinander unterscheidet, so glaubwürdig füllen die Darstellerinnen ihre Rollen mit Leben. Tanya Vollstedt gibt als Petra die Naive mit sozialer Ader. In völliger Selbstaufgabe schwingt sie die Hüften und quäkt kesse Sprüche ins bereitgelegte Mikro, wenn sie die munteren Anweisungen des unsichtbaren Regieassistenten (Timm Kruse) befolgt. Einschmeichelnd sülzt die Big-Brother-Stimme aus dem Off und spielt die Probandinnen kaum merklich gegeneinander aus. Unter der Maske der öko-bewegten Maren liegen die Nerven blank. Mit Blockflöte, Ghetto-Blaster und zorniger Entschlossenheit brüllt sie irgendwann ihren vorbereiteten Song in die Richtung ihres hippen Peinigers, und Mitschi Jacob verdient sich mit diesem inbrünstigen Vortrag Szenenapplaus.
Johanna Kriesel als Lilly ist die coole Hanseatin mit Kohle – ein blasierter Kotzbrocken zunächst, doch auch sie erfährt eine Läuterung in Hübners kathartischer Casting-Show, der die drei Mädels am Ende gegen die Stimme aus der Regie aufstehen und ein dümmliches Kinderlied plärren lässt. Das könnte ganz schön platt sein. Ist es aber nicht in der kurzweiligen Inszenierung von Esther Kaun, die mit den Emotionen der Zuschauer Achterbahn fährt.
Kleine Korrekturen von hEXagon: Susan heißt nicht »Suzan« und Mitschi heißt Jacobi, nicht »Jacob« mit Nachnamen.
Kieler Nachrichten 15.03.07
Vor der Premiere: Theater hEXagon zeigt »Creeps« von Lutz Hübner
Kiel – Zickenkrieg im Proberaum der freien Theatergruppe hEXagon. »Du meinst wohl, mit dem Lippenstift drauf, kannst Du jetzt besser denken, oder was?«, zischt Mitschi Jacobi ihre Bühnenpartnerin Johanna Kriesel an, die sich gerade die Lippen anmalt. Doch statt die passende Antwort zu servieren, schütten sich beide aus vor Lachen. Denn das Gestichel ist nicht echt, sondern quasi bloß das Warmlaufen für ihre Rollen im Stück Creeps von Lutz Hübner. Hübner gilt als einer der meist gespielten deutschsprachigen Gegenwartsdramatiker, am Theater Kiel etwa läuft derzeit sein Glamrock-Stück »Die letzte Show«.
Das wirklich wahre Leben, »Leben live« sozusagen, wollen die Macher der neuen TV-Musik-Show »Creeps« vor die Kamera bringen – so lautet die Ausgangssituation des im Jahr 2000 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg uraufgeführten Stücks. Für die Moderation sucht der Sender noch eine junge, möglichst hippe Ansagerin. Drei Mädchen, Maren, Petra und Lilly, sind zur Casting-Finalrunde ins Studio eingeladen. Doch dort wartet statt des erhofften Vertrags bloß eine Stimme, die die Bewerberinnen aus dem Off zu immer neuen Aktionen antreibt, um sich gegenseitig in der Konkurrenz um den Job auszustechen.
»Das ist ja der Traum von vielen, einmal im Leben berühmt zu sein«, erklärt Tanya Vollstedt, die die etwas naive Petra aus Chemnitz spielt, die Gefühlslage der drei jungen Frauen im Stück. »Und zwar möglichst, ohne den Stress zu haben, vorher irgendeine Ausbildung zu machen«, ergänzt Regisseurin Esther Kaun. Die ehemalige Regieassistentin am Theater im Werftpark hat sich für die Inszenierung von Creeps entschieden, weil sie die Arbeit des Autors Hübner besonders schätzt: »Der Text ist gut geschrieben und die Entwicklung der Figuren, ihr Zusammenspiel spannend.« Das findet auch Mitschi Jacobi, die die öko-bewegte Maren mimt, das zweite der Mädchen, das sich Chancen auf den Moderatorinnen-Job ausmalt: »Darstellerisch ist das natürlich reizvoll, die Höhen und Tiefen der Figur zu durchlaufen.« »Vor allem, weil das Ganze praktisch in Echtzeit passiert«, ergänzt Johanna Kriesel, die als hochnäsige Hanseatin Lilly die Dritte im Mädchen-Bunde gibt, »da verlässt bis auf ganz kurze Momente keiner von uns während der gesamten Zeit die Bühne.«
Als ausgesprochenes Jugendstück sieht Esther Kaun Creeps, zu dessen Titel sich Autor Hübner durch den Song Creep (Englisch für Versager, Niete) der britischen Band Radiohead inspirieren ließ, übrigens überhaupt nicht: »Es ist schon für junge Leute geeignet, aber auch für sämtliche Generationen darüber«, erklärt sie, »der Begriff Jugendstück schreckt außerdem noch immer viele ab, was ich albern finde. Das Stück ist viel mehr eine ziemliche Herausforderung und nicht ganz harmlos, weil die Emotionen darin sehr tief gehen. Es geht nicht zuletzt auch darum, was man alles mit sich machen lässt, nur um diesen einen Job zu bekommen.«
Premiere (ausverkauft): 16. März; nächste Aufführung 17. März, jeweils 20 Uhr, Hansastraße 48
Von Beate Jänicke
